The End is Near.

Vor einigen Tagen hörte ich einen Radio-Bericht über geplante Obsoleszenz, zu deutsch: die Industrie baut die Geräte heute so, dass diese nach einer bestimmten Zeit kaputt gehen. Wir suchen uns unseren Konsumrausch also nicht nur unbedingt selbst aus, wir werden auch von den Produktherstellern zur unausweichlichen Kauf-Laune gezwungen. In einem Beitrag auf BR2 wurde im Besonderen auf die built-to-fail-Produkte Apples hingewiesen. Ein Video zeigt die bereits zehn Jahre alte Aktion in den USA, welche darauf verwies, dass in den iPods die Batterie nicht nur nicht austauschbar, vielmehr auch einem automatischen Verfall preisgegeben ist.

In einem weiteren Beitrag auf BR On3 wurde das Problem der technisch-physischen Obsoleszenz allgemeiner diskutiert. Auch eine Dokumentation von arte beschäftigte sich mit diesem Thema, bei dem es sich keinesfalls um eine Verschwörungstheorie handelt.

In Brasilien ist zudem ein Gerichtsverfahren wegen geplanter Obsoleszenz gegen Apple anhängig.

Für viele wird es überraschend sein, dass gerade Apple-Produkte in Zusammenhang mit geplanter Obsoleszenz genannt werden, sind diese doch von außen betrachtet sehr viel wertiger gebaut, designt als die meisten Geräte der Konkurrenz. Doch ist es nicht das Außen, das die Lebensdauer bestimmt, es ist das Innen und dessen Verarbeitung. In meinem vorherigen Beitrag zur Behandlung des Umweltschutzes in den Apple Stores, zur Verschwendung von Ressourcen in den buchstäblichen Topf des „Scrap“, hatte ich bereits auf die Nicht-Reparierbarkeit vieler Apple-Produkte hingewiesen. Dass zudem die Geräte in einer großen Zahl nicht lange nach Ablauf der Garantie ausfallen – oft ist es der Akku –, dies wird jeder Apple Store-Techniker („Genius“) mit langer Erfahrung bestätigen können.

Die Internetseite ifixit.com hat in ihren letzten Beiträgen zu Apple-Geräten verstärkt darauf hingewiesen, dass Apples Produkte immer irreparabler werden. Dies ist wohl kaum mit dem Image zu vereinbaren, das Apple für sich selbst als umweltfreundliche, verantwortungsbewusste, Ressourcen-schonende Firma von sich sehen möchte. Die Produkte, auch die Apples, werden immer schlechter, sind schlechter verbaut, gehen schneller kaputt, verschleißen weitaus schneller, können überhaupt nicht mehr oder nur noch schwer repariert werden, dies kann ich als langjähriger Apple-Mitarbeiter bestätigen.

So mancher wird sich nun denken: aber mein erster iPod hat fünf Jahre gehalten. So ist es gut, so soll es sein, doch: so war es nicht geplant…

Oh, Umwelt!

(Still war es geworden an dieser Stelle, lange Zeit war ich nicht dazu gekommen, mich um diesen Blog zu kümmern. Es gibt noch viel zu berichten. Und somit will ich heute die zweite Runde einläuten.)

Es gibt mit Sicherheit Anti-Umwelt-Preise, ich weiß es nicht, müsste nur googeln… Einen dieser Preise hätte Apples Magic Mouse verdient. Sie kommt in mehrfacher Verpackung, bis sie endlich vor dem Lagermitarbeiter liegt, der die Magic Mouse dann endlich in die Regale eines Apple Stores legen kann. Wie eine Matrjoschka schält sich die Magic Mouse nur langsam aus ihren Gehäusen: eine 10er-Packung aus Karton kommt mit aufgeklebten Preisschildern – dann gilt es den einzelnen Karton zu öffnen – in zwei Schaumstoffkissen liegt endlich die Magic Mouse – nun ist noch das Plastiktütchen zu entfernen, in dem die Magic Mouse auf die Reise geschickt wurde – zuletzt ist das Preisschild auf die Magic Mouse zu kleben, diese Preissticker kommen ebenfalls in einer Plastiktüte.

Der Kunde wird nur noch die Plastikschalen sehen, in der die Magic Mouse liegt, er wird fein nach Plastik und Papier und Produkt trennen können, nur die mitgelieferten Batterien werden irgendwann speziell entsorgt werden müssen. Zusammengefasst: der Kunde bekommt eine vernünftig trennbare Endverpackung zu Gesicht. Was dieser nicht sieht, das ist der kleine Müllberg, den dieses Produkt hinterlassen hat, bevor der Kunde die Magic Mouse in Händen hält.

Dies ist kein Beitrag zu den Arbeitsbedingungen in den Apple Stores, es ist ein Artikel über die Divergenz des Images und der Realität von und bei Apple. – Nicht zu vergessen wäre der Abfall, der entstand, bevor die Magic Mouse in ihre beinahe magische Verpackung verschwand. (Hiervon bekam man in Rasmus Gerlachs Fernseh-Dokumentation Apple Stories eine Ahnung, welche auf Phoenix ausgestrahlt wurde.) Insgesamt, wenn man ab der eingepackten Palette rechnet, hat die Magic Mouse somit acht Verpackungen hinter sich, bis sie sich endlich verkaufsfertig präsentiert. Und dies ist wohl kaum mit dem green-Image, das sich Apple so gerne anheftet, in Einklang zu bringen. Anders gesagt: jeder, der irgendwann damit konfrontiert wird, diese Computer-Maus auszupacken, wird es nicht glauben wollen, dass ein großer Mülleimer voll mit Plastikabfall, ein kleiner Haufen an Pappkartons übrig bleibt, bis die Mäuse schlussendlich verkäuflich sind. So hatte das die Selbstdarstellung Apples nicht berichtet…

Bei den letzten Apple Keynotes war immer wieder darauf hingewiesen worden, wie sehr sich Apple um die Umwelt kümmere. Sei es das Quecksilber-freie Glas, sei es die Verkleinerung einer Umverpackung. Diese Dinge sind Tatsachen, nicht von der Hand zu weisen, Schritte in die richtige Richtung angewandten Umweltschutzes. Doch sind es in Wirklichkeit Leuchttürme, die den Blick auf das Dahinter verdecken. Denn jedes MacBook kommt in einer zusätzlichen Verpackung, ein Karton mit vier Ecken, die den Verkaufskarton in Position halten, jedes SmartCover kommt in einer separaten Plastiktüte, vermutlich um zu verhindern, dass die SmartCovers sich beim Transport gegenseitig zerkratzen.

Vielmehr halte ich diese sogenannten Umweltmaßnahmen Apples keinesfalls durch Umweltschutzgedanken begründet, es geht dabei um so mehr um die Erhöhung von Gewinnmargen, die Produktion der Bauteile an bestimmter Stelle zu ändern, die Umkartons zu optimieren, vor allem: leichter zu machen, was beim Versand der Ware ausschlaggebend sein dürfte. An anderer Stelle wird nämlich eben nicht auf angeblichen Umweltschutz gebaut, hier wird ebenfalls nur darauf geachtet, die Ware möglichst preisgünstig beim Endverbraucher ankommen zu lassen, wie dies bei den SmartCovers der Fall sein dürfte.

Der dem Kunden verstellte Blick in den backstage-Bereich eines Apple Stores ermöglicht es jedenfalls, nach vorne hin als grüne Firma dazustehen. (Die Betonung Apples, wie grün die neuen Server-Farmen seien, die Apple gerade in North Carolina baut, dies ist so ein Leuchtturm, der den Blick auf den Rest verstellen soll. http://www.apple.com/environment/progress/)

Sollte sich ein Kunde einmal an den Lieferanteneingang eines Apple Stores stellen und betrachten, welche Menge Abfalls an einem Tag diesen Apple Store verlässt, so wäre die Verwunderung groß. Auch das Nicht-Praktizieren einer Mülltrennung wäre dann augenscheinlich. Würde man dann im Müll wühlen, hätte man mit gewissem Glück gar weggeworfene Abrechnungen mit darauf abgedruckten Kundendaten in der Hand. Nicht einmal diese Trennung datenschutz-rechtlich relevanten Mülls von allgemeinem wird in vielen Apple Stores vollzogen.

Die Nutzung von Öko-Strom, Recycling-Papier, überhaupt: aktueller, energiesparender Technik und Ausstattung – Fehlanzeige. So hochmodern, so durchdesignt die Apple Stores daherkommen, sie sind ebenso wie die Läden anderer Einzelhändler vor allem eins: ein Schauspiel, eine Kulisse.

Und dieses banale Faktum zeigt sich nicht nur beim Müll des Wareneingangs, es zeigt sich auch beim Verlassen defekter oder zurückgegebener Ware aus dem Store. Zwar werden die Computer und das teure Zubehör, auch das meiste an Drittherstellerprodukten an mit Apple zusammenarbeitenden Firmen oder Apple selbst zurückgeschickt. Doch weiß niemand im Store, was dort mit den defekten Geräten geschieht. Es gibt aber auch jene ominöse Sammlung von vor allem Apple-Zubehör, genannt: der Scrap, der einen am grünen Anstrich Apples zweifeln lässt.

Hier findet sich alles Zubehör, das zu den zentralen Geräten geliefert wird: Mäuse, Tastaturen, Kopfhörer, Power Adapter, SmartCovers, eben alle Peripherie von Apple, darüber hinaus viele nicht zu reparierende Ersatzteile, außerdem noch zum Beispiel zurückgegebene Drucker von Hewlett-Packard, die nicht defekt sind – diese werden ebenfalls gleich weggeworfen.

Kommt also ein Kunde herein, der aus Versehen den falschen Strom-Adapter gekauft hat, bekommt dieser den richtigen oder sein Geld zurück, der Rückläufer wird auf jeden Fall im Scrap, also im Müll enden. Den Kunden braucht es nicht zu kümmern, er ist seine Ware losgeworden und nun mit dem richtigen Ersatz ausgestattet, doch hinter den Kulissen werden nagelneue, voll funktionierende Produkte einfach so weggeworfen.

Viele Angestellte in den Apple Stores äußern immer wieder die Hoffnung, man könnte den Scrap wenigstens für den internen Gebrauch oder Verkauf öffnen, könnte die Ware, die da weggeworfen wird, an die eigenen Leute billiger verkaufen. Oder wenigstens ein gemeinnütziges Sponsoring des Scraps… Die ist nicht gestattet, Apple wird genau so wenig diesen Abfall hergeben, wie auch intern genutzte Geräte nicht als Gebrauchtmodelle an Kunden oder Apple-Mitarbeiter verkauft werden. Denn diese intern genutzten Geräte gehen, sind sie älter als zwei Jahre, ebenfalls in den Scrap.

Da steht man nun vor dem Karton mit dem Scrap und blickt womöglich auf ein 15′‘-MacBook Pro, kramt ein wenig: huch, da kommt noch ein iPhone heraus, der packungsfrische Drucker ist nicht zu übersehen. Und man weiß, dass eine Entnahme eines noch guten Produkts Diebstahl wäre. Und man sieht dann einen Manager, der sich wenig darum kümmert und sich mal ein schnell ein Paar Kopfhörer herausfischt. – Der darf das natürlich, eigentlich ja nicht, aber es wird ja niemand etwas sagen, denn wenn man den anschwärzen würde, käme man in Teufels Küche. Die versprochenen flachen Hierarchien, die Idee des Fearless Feedback: eine Lachnummer.

Denn warum sollte dieser Manager auch nicht diese Kopfhörer mitnehmen, sind sie doch noch in ihrer Original-Verpackung: denn es werden in den Apple Stores bereits Produkte weggeworfen, deren Hängehaken defekt sind. Nein, da wird kein Ersatzhaken angeklebt, die Sache kommt gleich weg, obwohl das Produkt keinen Schaden hat. Selbstverständlich hat Apple ein großes Interesse daran, dass die Produkte ebenso perfekt daherkommen wie die stählernen Wände der Apple Stores, die aus Italien stammenden Spezial-Böden dieser. Doch deshalb, wegen eines Hakens, die Sachen gleich wegzuwerfen, ist das nicht ein wenig zuviel des Guten?

Als die Apple Stores konzipiert wurden, gab es noch Krabbel-Tische, die eben solche Produkte mit einer Preissenkung anboten. Doch empfand man diese Tische bereits von Anfang an als Schandfleck gegenüber dem restlichen, so perfekten Design, dass diese Krabbel-Tische ein jedes mal entfernt wurden, sobald ein hohes Tier von Apple Corporate vorbeikam, denn es war klar, dass diese Einrichtung kaum goutiert werden würde. Dann sind diese Tische entfernt worden – und der Müllberg wuchs.

Aber was schreibe ich? Werden die Sachen wirklich alle weggeworfen? Nein, sie werden an einen Recycler verkauft, in Deutschland: DataServ (http://www.dataserv-gmbh.de). Was dort geschieht, wie dort mit dem Abfall eines Apple Stores weiter verfahren wird, das weiß niemand. Selbst der vierteljährliche Umwelt-Newsletter, der intern den Glauben an green Apple stärken soll, wird darüber keine Auskunft geben. Die meisten klicken diese Botschaften aus der Apple Corporate-Zentrale in München ebenso schnell weg wie ein SmartCover mit gerissenem Haken in den Scrap-Karton fliegt.

Was Apple tun könnte, das liegt auf der Hand: viel mehr Produkte könnten reparabel gebaut werden, Apple könnte sich auch selbst um das Recycling kümmern, die Nutzung nachhaltig produzierter Energie ebenso wie neuester energie-, wasser- und Rohstoff-sparender Techniken sollten nicht nur für wenige Leuchtturm-Projekte eingesetzt werden, sie sollten allgemeingültig sein. Oder für den Anfang: nicht so schnell reißende Hängehaken? Oder sollte wenigstens der ökonomische wie ökologische Unsinn aufhören, Retouren täglich und nur auf Europaletten zurück zu schicken, selbst wenn auf dieser Palette nur ein Karton mit wenigen Teilen zu finden sein sollte, könnte man sich den dadurch entstehenden Plastik-Abfall der die Palette umschließenden Folie nicht für eine oder zwei Rücksendungen pro Woche aufsparen?

In den Apple Store Teams werden immer wieder Ideen entwickelt, wie Apple mehr für den Umweltschutz tun könnte, in diesem zentral regierten Betrieb werden derartige Vorschläge jedoch niemals bei den Entscheidern ankommen, hört das Management ja nicht einmal vor Ort diesen Ideen zu. Aber dies ist ebenfalls in der Struktur Apples begründet: es geht von oben nach unten, die Leute vor Ort haben dabei wenig bis gar nichts zu melden.

Reminder.

Diese Email erreicht mich aus München, aus dem dortigen Apple Store Rosenstrasse. Die Original-Email wurde am 23. Oktober 2012 an das Münchner Team verschickt:

Titel der Email: Umgang mit Social Media

People, it’s public…
Social Media rules at Apple

Liebes Rosenstraße Team,

mit der nachfolgenden Nachricht möchten wir Euch an unsere Verpflichtungen im Umgang mit Social Media erinnern, die wir als Apple Mitarbeiter mit Unterzeichnung des Arbeitsvertrages anerkannt haben.

Keine Beiträge, die Apple Produkte oder Apple als Unternehmen betreffen dürfen auf sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram u.ä. veröffentlich werden.

Offizielle Kommunikation erfolgt über Apples Presseabteilung und / oder Apples Marketingabteilung.

Der Schutz der Marke Apple ist Aufgabe von uns allen. Beiträge einzelner können die Marke schädigen.

Ein Beitrag auf z.B. Facebook kann durch „Likes“ oder Kommentare bei Nutzern auftauchen, die nicht der beabsichtige Empfänger sind oder zur Presse gehören. Keiner von uns möchte ungewollt zitiert werden.

Zu Beiträgen zählen Fotos (auch Profilbilder oder Titelbilder) Aufnahmen in Bild und Ton, sowie schriftliche Kommunikation, die Apple Produkte, Bestandteile der Corporate Identity (Apple Logo, Namen von Produkten oder Services) oder Apple als Unternehmen zum Gegenstand haben.

Aus dem Betrieblichen Verhaltenskodex (Business Conduct) – jeder Mitarbeiter muss kurz nach seiner Anstellung einen Kurs absolvieren und stimmt mit seinem Vertrag diesen Richtlinien zu.

Öffentliche Äußerungen und Presseanfragen

Alle öffentlichen Äußerungen oder Vorträge über Apple als Unternehmen oder über Apple Produkte müssen vorab von Ihrem Vorgesetzten und der Abteilung Corporate Communications genehmigt werden.

Veröffentlichung von Artikeln

Wenn Sie einen Artikel oder eine andere Veröffentlichung verfassen, geben Sie sich in der Veröffentlichung nicht als Apple Mitarbeiter zu erkennen, ohne von der Abteilung Corporate Communications vorab eine Genehmigung einzuholen. Dies könnte als Billigung seitens Apple gewertet werden.

Bitte beherzigt das, um vermeidbare Rückfragen von vornherein auszuschliessen.

Beste Grüße,
Euer Management Team

Apple internal use only. Please do not forward.

… and justice for all.

Eigentlich sollte für gleiche Arbeit gleiches Geld bezahlt werden, so sieht der Gesetzgeber dies vor. Doch wenn Apple das Gesetz macht, dann sieht es schlecht aus mit der Gerechtigkeit. Für dieselben Posten werden in den Apple Stores Gehälter bezahlt, die sich zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Lohn mit über 40% unterscheiden.

Die ersten, die dies feststellen konnten, das waren die Kollegen in München, als dort der Betriebsrat sich die Gehälter vorlegen ließ. Da schufteten manche beinahe für die Hälfte dessen, was der Mitarbeiter nebenan verdiente. Erst durch den Eingriff des Betriebsrats kam es zu einer Anpassung der Gehälter, kam zu lohntechnischer Gerechtigkeit.

Ähnlich schockierende Erlebnisse werden die neuen Betriebsräte in Frankfurt und in Hamburg bald machen. Diese Einstellungspraxis, manche mit guten Gehältern, manche mit Hungerlöhnen auszustatten, ist dort genauso wie in allen anderen von der Apple Retail Germany GmbH betriebenen Apple Stores gang und gäbe. Doch diese neuen Betriebsräte werden von den Erfahrungen aus München profitieren können, wo Löhne unter 10 Euro in der Stunde schnell der Vergangenheit angehörten.

Es gibt ein Trauerspiel, das gerne von den ganz Überzeugten bei Apple aufgeführt wird: die Behauptung, bei Apple würde man mit 9 oder 10 Euro immer noch besser verdienen als bei H&M, Zara, Zalando oder irgendwelchen anderen Ausbeutern – Ausbeutung, die wie bei Apple nicht nur in den Ländern stattfindet, in denen die Stores vor Ort sind, sondern auch in den Produktionsländern auf ganz anderer Ebene völlig normales Geschäftsgehaben ist.

Das ist natürlich wahr, bei Apple wird immer noch besser verdient als bei jenen anderen Ausbeutern, aber: wenn jemand seinen Job 40 Stunden in der Woche macht, soll derjenige nicht schlicht und einfach davon leben können? Und wenn bei Apple viele Leute das nicht schaffen, ein gutes Leben mit diesem Lohn zustande zu bekommen, wie sieht das erst bei den anderen Ketten in unseren Shopping-Paradiesen aus? Oft denke ich an den Titel von Mark Ravenhills Theaterstück Shoppen & Ficken – soll es das tatsächlich gewesen sein?

Wenn Du einen Apple Store besuchst, dann kannst Du davon ausgehen, dass die meisten Apple-Mitarbeiter, die Dir begegnen werden, für Löhne arbeiten, die deutlich unter dem liegen, was tarifvertraglich für andere Einzelhändler ausgehandelt wurde. Es ist moderne Sklaverei, die nicht nur in den Apple Stores heutzutage usus ist. Wie fühlst Du Dich, lieber Kunde, wenn Du weißt, dass sich dieser Mensch, der Dir da gegenüber steht, sich nur sehr schwer eines dieser Produkte wird leisten können, die dieser Dir so brav verkauft? Dass da einer für die derzeit teuerste Firma der Welt arbeitet und von diesem Erfolg keinesfalls seinen oder ihren Anteil abbekommt?

Dieses ungerechte Verhältnis mag Dir egal sein. Auch die womögliche Verantwortung eines Käufers gegenüber dem Produkt und dessen Hersteller magst Du ignorieren. Aber was wäre, wenn Du auf die Idee kämest, bei der Firma zu arbeiten, deren Produkte Du so toll findest? Würdest Du nicht denken, dass diese Firma unter dem Motto „Das Leben schöner machen.“ keinesfalls das ist, was Du Dir vorgestellt hast?

Für viele Kollegen ist dieser Eintritt in die heiligen Hallen eines Apple Stores der Beginn eines Abfalls vom Glauben. Und der Lohn, der dabei angeboten wird, führt dabei oftmals zum ersten Erstaunen. Wie es ein Manager einmal sagte, bei Apple arbeitet man nicht wegen des Geldes, man arbeitet bei Apple, um miteinander Spaß zu haben. Dies ist ebenfalls wahr, denn reich wird man bei Apple nicht. Nur, das mit dem Spaß, das hat eben auch seine Grenzen, denn dieser ist nach einigen Wochen erschöpft. Dann, wenn man erkennt, dass man in der Zwangsspaß- und zugleich Ausbeutungshölle gelandet ist. Und wenn dann auch noch klar ist, dass man sehr viel weniger verdient als das Gegenüber, dann ist es zumeist vorbei mit der guten Laune.

Dabei sind die Löhne innerhalb Deutschlands ebenso immens unterschiedlich wie innerhalb der Apple Store-Teams: es kommt darauf an, zu welchem market man gehört. Und die Mitgliedschaft im norddeutschen market führt bei Hamburger Kollegen dazu, dass sie mit ihrem Lohn Pech haben. Denn Dresden, ebenfalls in diesem market, macht die Löhne. Und was in Dresden ein gutes Einkommen sein mag, das ist es in Hamburg auf jeden Fall nicht. Lange hat es gedauert, bis die Zentralen in den USA und in London verstanden hatten, dass es in Deutschland ein gravierendes Lohngefälle gibt. Am Anfang stand München, dann kam Hamburg dazu, dann Oberhausen. Und Oberhausen war es, das mit seinen Gehältern die neuen Einstiegslöhne definierte, davon konnte in München niemand wirklich leben. Dann, vor ungefähr einem Jahr, wurde aus dem deutschen Süden ein separater market und die Löhne konnten, vor allem mit kräftiger Nachhilfe des Münchner Betriebsrats, dort endlich auf ein Niveau steigen, das München angemessener ist.

Dennoch ändert dies nichts an den lohntechnischen Ungerechtigkeiten innerhalb der Stores, auch wenn Hamburg zu wünschen ist, dass es endlich auf ein Gehaltsniveau knapp unterhalb des Münchners gehoben wird.

Ein Gruß noch an die neuen Berliner Kollegen: ich höre, dass es bei Euch innerhalb der verschiedenen Teams besonders große Lohndiskrepanzen gibt. Ihr werdet um das Korrektiv eines Betriebsrats nicht herumkommen. Freut Euch schon jetzt darauf! Denn Apple macht so viel Geld mit uns, da sollen wir alle auch was von abhaben!..

http://www.apple.com/pr/library/2013/01/23Apple-Reports-Record-Results.html

Danke!

Lieber Besucher, liebe Besucherin,

dieser Blog ist erst einige Wochen alt und bereits nach dieser kurzen Zeit gehen die Besucherzahlen in die Hunderte. Ganz offensichtlich gibt es ein großes Interesse an dem Thema Apple Retail, den Apple Stores und wie es dort tatsächlich zugeht. Leider gibt es diese Diskrepanz zwischen Glanz und Gloria der Marke und den Realitäten eines Jobs bei Apple, über die ich hier berichte.

Für dieses Interesse will ich mich bei Euch bedanken!

Wenn Ihr etwas zu meinen Beiträgen sagen, auch wenn Ihr dem Inhalt komplett widersprechen wollt, meldet Euch gerne per Kommentar-Feld dazu. Selbstverständlich werde ich hier keine Beiträge ausfiltern, zensieren, kürzen, auch wenn sie mir selbst nicht gefallen sollten. Hier soll es nicht zugehen wie bei Apple… Eventuell werde ich die Beiträge kommentieren, dies ist aber auch schon alles.

Morgen, am Mittwoch, 22. Januar 2013, wird dieser Blog für einige Zeit ausfallen, da die Blogsport-Betreiber an ihren Servern arbeiten müssen. Doch bis zum Abend wird sicherlich alles wieder für Euch da sein.

Euer AN.

The Dark Knight Rises.

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Betriebsrats. In Deutschland sind bereits drei Betriebsräte bei Apple Retail gegründet, in Frankreich sind arbeitnehmerrechtliche Vertretungen in Planung, in Italien wurde sogar schon gestreikt. Noch ist nicht absehbar, wie die die Reste ihres Wohlfahrtsstaats preisenden Schweden auf die in Apple Country herrschende Peitsche reagieren werden. Doch sogar in Großbritannien, diesem Land, dem Margaret Thatcher einst die Arbeitnehmerrechte nahm, blickt man mit Spannung auf den Kontinent. Nur von den krisengeschüttelten Spaniern ist noch nichts zu hören – sie sind bei einer Arbeitslosenrate von über 20% vermutlich froh, überhaupt einen Job zu haben, (leider) egal zu welchen Konditionen. Selbst im Mutterland des Personal Computers gibt es einige Wenige, die aller Wahrscheinlichkeit nach täglich mit ihrer Kündigung bei Apple Retail rechnen müssen, welche sich um Cory Moll und seine Idee einer Apple Workers Union für die USA scharen.

Es brodelt bei Apple Retail, im sogenannten Alten Europa sogar ganz gewaltig. Es gibt eine Würde des Arbeitnehmers, in den beiden letzten Jahrhunderten erkämpft, die sich selbst konservativ orientierte Kollegen nicht mehr nehmen lassen wollen. Niemand zieht mit roten Fahnen durch den Apple Store, das wäre wohl eine zu kuriose Vorstellung, aber es gibt einen Konsens an Gerechtigkeit bei der Belegschaft, der bei Apple Retail immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Ein einfaches Beispiel zu Beginn: in den Arbeitsverträgen bei Apple Retail muss das Verbot unterschrieben werden, offen über den eigenen Lohn zu sprechen. Dieser Artikel des Vertrags wird selbstverständlich durch deutsches Recht gebrochen, da es in diesem Land einem jeden freigestellt ist, dem Friseur, dem Pudel von nebenan oder sogar dem eigenen Chef zu erzählen, dass man soundsoviel Euro im Monat verdiene. Dennoch ermahnen die Manager diejenigen immer wieder, die über ihr Gehalt sprechen, sie dürften dies nicht tun, obwohl diese es doch selbst besser wissen. Dies ist der einfach nachzuvollziehende Unterschied zwischen dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und Apple Country: draußen ist die BRD, inside, innerhalb der Mauern des Apple Stores, herrscht das Apple-Gesetz – und das lässt sich kein Manager nehmen. Ich weiß nicht, ob das Ignorieren von Arbeitnehmerrechten ein Hobby oder ein Muss des Managements ist, vermutlich nimmt Apple selbst in diesem Fall keine Rücksicht auf örtliche Gepflogenheiten.

Ein anderes, schwächeres Beispiel, bei dem Apple sich sehr wohl an Gesetze hält, dafür aber nationale wie kulturelle Gepflogenheiten ignoriert: Weihnachtsgeld gibt es nicht, basta, das ist so bei Apple, Urlaubsgeld auch nicht. Doch es gibt auch keine Weihnachtsfeier. Diese, so die Begründung, sei kulturell örtlich fundiert, und da Apple ein weltweites Unternehmen sei, gäbe es keinen Grund, lokal fundierte Feste zu feiern. Deshalb wird die Weihnachtsfeier in den Apple Stores von Angestellten organisiert, jeder muss selber zahlen, das Management macht trotzdem mit. Nur seltsam, dass dann zur Weihnachtszeit rote T-Shirts anstatt der blauen getragen werden, dass auch spezielle Aktionen zu lokalen Festtagen in den Apple Stores in Asien stattfinden, dass die US-amerikanische Tradition des Black Friday mit einmaligen, eintägigen Rabatten in allen Apple Stores zelebriert wird.

Man mag über die Bayern denken, was mal will, aber dass nicht einmal ein gemeinsamer Besuch des Oktoberfests durch Apple Retail unterstützt wird, dies versteht man in München ganz und gar nicht. Denn dies ist für jede in München ansässige Firma Pflicht. Auch dieses gemeinsame Event – inklusive des Managements, bei Apple sind ja alle einander zwangsweiße Freunde – wird von der Unterschicht des Apple Store Rosenstraße getragen.

Und so kommt es gerade in München immer wieder zu eifersüchtigen Blicken in Richtung der Münchner Arnulfstraße, wo die deutsche Zentrale der eigentlichen Firma Apple, genannt: Apple Corporate, ansässig ist. Dort herrscht Vernunft, in dieser eigentlichen Firma Apple, hier gibt es selbstverständlich einen Betriebsrat, das Oktoberfest ist eine feste Größe, zu der auch viele Apple Reseller eingeladen werden, das monatliche beer bash, eine US-amerikanische Tradition: es gibt einmal im Monat Freibier, auf dass sich die Angestellten untereinander besser kennenlernen, wird dort selbstverständlich gepflegt, Weihnachtsfeier inklusive.

Viele haben es versucht, bei Apple Corporate anzuheuern, da dieser Teil der Firma so gar nichts mit Apple Retail zu tun zu haben scheint, dort die Menschen gut miteinander umgehen. Aber leider gelingt es beinahe niemandem. Es scheint, als hätten Apple Retail-Angestellte einen schlechten Geruch, eine Prägung durch den bösen Teil Apples, den man dort nicht haben möchte.

Was nun aber mit den Menschen, die viel Schlimmeres als nur unsinnige Verbote oder die Verweigerung von Stammesriten erlebt haben? Sie reden nur selten darüber, sie wissen warum. Den Kollegen, dem Apple die Krankheitskosten nicht zahlen möchte, habe ich bereits erwähnt. Auch die Geschichte von demjenigen, der dazu gezwungen wurde, Wasser zu trinken, ist in diesem Blog bereits erzählt worden.
So ist zum Beispiel das Festhalten von Mitarbeitern, weit über die Arbeitszeit hinaus, ein gern gepflegtes, sehr ernstes Spiel der Manager. Dies war in Dresden passiert: eine Managerin hat mehrere Kollegen wiederholt festgehalten, da sie mit dem Aussehen der Verkaufsfläche und der Produktwände nicht zufrieden war. Dies ging tagelang, alle beugten sich der absoluten Resolutheit dieser neuen Managerin, die mit ihrer offensichtlich sehr speziellen russischen Sozialisation einige neue Aspekte der Behandlung von Menschen bei Apple einführen wollte. Diese Sessions gingen Stunden über die eigentliche Arbeitszeit hinaus, es wurde nach der Methode Ich-Sehe-Was-Was-Du-Nicht-Siehst gehandelt: die Managerin behauptete, sie hätte einen Fehler gesehen – nun mussten die Kollegen herausfinden, wo und was der Fehler denn nun sei. Irgendwann, nach einigen Tagen und wiederum einigen Stunden, war es den Kollegen schlicht und einfach zu blöd: sie weigerten sich, weiter zu arbeiten und wollten nach Hause, das sie gerade noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen konnten. Die Nutzung eines Taxis, im Notfall, wie es rechtlich vollkommen korrekt ist, war ihnen verboten worden, sie würden das Geld nicht von Apple zurück bekommen. – Auch in Augsburg verbietet man diese notfallmäßige Nutzung eines Taxis, hier müssen die Kollegen dann eben nach Hause laufen, ob es regnet oder schneit, die Stadt sei ja nicht so groß.

Mit Schrecken erinnere ich mich immer wieder an die Vielen, die ich zusammengebrochen oder in Heulkrämpfen am Boden kauernd, erlebt habe: man ließ sie einfach sitzen, wo sie waren. Der Druck war zu groß geworden, der Druck der Arbeit wie der Druck des Managements, sie konnten nicht mehr. Sie hatten sich das angebliche Versagen, das ihnen immer wieder weisgemacht worden war, zu sehr zu Herzen genommen. Sie hatten ihr Bestes gegeben – und es war nie gut genug gewesen. Sie waren gedemütigt worden, zumeist ganz langsam, ganz sanft, von Gespräch zu Gespräch mit dem einen oder dem anderen Manager. Etwas Gutes gab es dabei immer nur ganz kurz zu hören, vielmehr wurde das Problem betont, das man tatsächlich sei, dass die Quoten an verpflichtenden Zusatzprodukten immer noch nicht stimmten, dass die Summe der Verkäufe enttäuschend sei, dass sich andere Leute bereits mehrfach über einen beschwert hätten, ohne dies jemals genauer zu beschreiben.

Wenn es dann gar nicht mehr geht aus der Sicht des Managements, dann werden noch härtere Bandagen angelegt: da wird auch mal frei erfunden, ein Kollege hätte eine Managerin bedroht und angegriffen – hatte der ein Glück, dass er genau im Blickwinkel einer Überwachungskamera stand, die das genaue Gegenteil beweisen konnte. Muss man denn so miteinander umgehen? Wenn es in allen Stores, weltweit, genau gleich zugeht und die Angestellten ausgequetscht werden, bis sie völlig erschöpft den Store irgendwann dann auch endgültig verlassen, kann das denn alles ein Zufall sein?

Nein, es ist selbstverständlich Methode. Alle, die täglich an dem Motto „Das Leben schöner machen.“ vorbeilaufen, erleben dasselbe. Und nur Wenige können sich diesem Regiment willentlich entziehen, sei es nun aus fanatischer Überzeugung, aus Naivität oder da sie sich sowieso nur für ihre eigenen Belange interessieren und die Kollegen ihnen egal sind, alles bei diesen auf die angebliche Karriere gerichtet ist.

So leben wir bei Apple – und sind froh über jeden Tag, der einfach vorübergeht, an dem wir einfach so unsere Arbeit machen konnten, die wir, wir sind ja wie so viele Andere auch Fans der Produkte, so gut machen wollen, wie es nur irgendwie geht. Was soll ich sagen? Wenn die Stimmung in den Teams nicht so gut wäre, dann würden wohl viel mehr Leute eher früher den Apple Store wieder verlassen als später. – Das ist schon kurios, zu welch starken sozialen Bindungen ein gemeinsamer Feind die Menschen führen kann…

Denn wir sind alle der Willkür des Managements ausgesetzt – und das Management sieht es so: es gehören Befehle befolgt, nicht etwa per Vernunft gearbeitet. Deshalb möchte ich Euch dazu aufrufen, einem Motto zu folgen, das mich ebenfalls vor kurzem erreicht hat: ein Kollege, der noch zu DDR-Zeiten aufgewachsen war, sagt es sehr schön: „Die Roten haben mich nicht gekriegt, da werden es die Blauen auch nicht schaffen!“ – gemeint sind natürlich all die leitenden Blauhemdenträger eines Apple Stores, die auf die Ideologie des Steve Jobs eingeschworen wurden. Und dessen Führungsstil, das ist ja hinlänglich bekannt, war nicht gerade besonders nett.

Ursprünglich hatte Apple sogar versucht, etwas gegen die Gründung von Betriebsräten zu machen: intern wurde die Formung von Teams zur angeblichen Verbesserung der Kommunikation zwischen Angestellten und Management angekündigt. Diese waren aber nach zufällig bekannt gewordenen vertraulichen Papieren nur dazu gedacht, Betriebsräte zu verhindern und keinesfalls dazu, etwas tatsächlich in den Apple Stores zu verändern. Ein Manager wird zudem mit dem Satz zitiert, so ein Team verstünde er als einen vom Management kontrollierten Betriebsrat. – Nachdem diese Initiative einer Verhinderung von Betriebsräten gescheitert war, kam es zu verstärkten Kündigungen von Mitarbeitern in vielen Stores, die sich in irgendeiner Weise positiv zu diesem Thema geäußert hatten.

Doch als in den Stores die Kollegen aus der Probezeit heraus waren und auch das Spitzel-System Risse bekam, da auch die ganz schwer Überzeugten Apple-Fanatiker begannen zu zweifeln, wurde es immer schwerer, nicht offen gegen einen Betriebsrat zu opponieren. – Nicht vergessen: bei Apple sind alle Freunde und es gibt immer nur Positives, weshalb eine offen kommunizierte Ablehnung einer Tatsache oder eines Vorhabens durch das Management niemals in Frage käme…

Deshalb begann man umzuschwenken und den Betriebsrat mit offenen Armen zu begrüßen: das Management wollte gut Freund sein und somit die gewählten Betriebsräte auf ihre Seite ziehen. Doch die Betriebsräte waren nicht so dumm, dieses Manöver nicht zu durchschauen. Sie wussten sehr wohl, dass in der Hand hinter dem Rücken des Managements ein Messer versteckt war. – Und so geschah es, dass alle Manager, die in irgendeiner Weise mit Betriebsräten zu tun haben, immer alles ganz super finden und die tolle Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat loben. Und so geschah es, dass alle, die irgendwie mit der Arbeit des Betriebsrats direkt oder indirekt zu tun haben, davon berichten, dass das Management versucht, sie ohne Unterlass nach Strich und Faden zu verarschen.

Und deshalb, eben weil das Management das alles so toll findet, ja, irgendwie ganz toll: redet über Eure Gehälter, redet über all das, was Euch in Euren Arbeitsverträgen seltsam vorkommt, redet offen über ungerechte, vielleicht sogar unmenschliche Behandlung. Redet auch darüber, was vom Management mal wieder frei erfunden worden ist, weist diese auf die internen Bestimmungen, die policies und das viel beschworene Credo hin, das den Managern so oft komplett scheißegal ist.

Über die Gründung eines Betriebsrats braucht Ihr Euch eigentlich keine Gedanken machen: das Management scheint mit großem Elan darauf hinzuarbeiten, dass Betriebsräte in den Apple Stores in Deutschland immer schneller umgesetzt werden: in München hat es noch drei Jahre gedauert, bis ein Betriebsrat gegründet worden war, in Frankfurt waren es zwei Jahre, Hamburg ist derzeit Spitzenreiter mit nur einem Jahr Brutzeit an Unzufriedenheit, an der Wut über die Willkür und dem Verzweifeln an der Ignoranz des Managements, die Menschen gut und gerecht zu behandeln, in einem Arbeitsumfeld, das sie verdient haben. – Schauen wir mal, wie schnell die neuesten Stores in Köln und in Stuttgart sein werden, welche Steilvorlage sie den noch nicht eröffneten Stores in Berlin und Hannover anheim geben werden…

Apple Credo. Deutsche Version.

Dies ist der Wortlaut des sogenannten Apple Credos in der deutschen Übersetzung. Jeder Apple Retail-Mitarbeiter soll dieses Credo, das durchaus wortwörtlich als Glaubensbekenntnis zu verstehen ist, in seinem Namensschild bei sich tragen. Da ich dieses Credo schon einige Male erwähnt habe und es sicherlich in weiteren Texten wieder erwähnen werde, dachte ich, ich stelle den Volltext an dieser Stelle zur Verfügung. Dann weiß eine jede und ein jeder Bescheid und kann mitreden.

Dieses Credo und dessen Inhalt, ist – wie alles bei Apple – selbstverständlich streng geheim. Kein Wunder, denn es gibt in diesem Text, der das Leben und Arbeiten in einem Apple Store regeln und bestimmen soll, mit Sicherheit einiges zwischen den Zeilen zu lesen.

Apple Retail
Das Leben schöner machen.

Unsere Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sind die Seele von Apple und unser größtes Kapital.

Wir schätzen dynamische, intelligente und interessante Menschen mit einer Leidenschaft für Apple.

Wir bieten ein spannendes Arbeitsumfeld, das beispiellose Karrierechancen und die Entwicklung wichtiger Fähigkeiten fördert.

Wir schätzen Innovationen und eine Umgebung, die offen für Veränderungen ist.

Unsere Markenzeichen sind Vielseitigkeit, Innovationskraft und die Leidenschaft, die Marke Apple weltweit zu stärken.

Wir bilden eine Gemeinschaft, in der gute Beziehungen, offenes Miteinander und Lernen, Führen und Wachsen dazu beitragen, unser Leben jeden Tag ein bisschen schöner zu machen.

Unsere Kunden

Unsere Apple Stores sind gemacht, um aus Menschen Besitzer und Freunde von Apple Produkten zu machen und die Kundenbindung zu stärken.

Wir fördern die Beziehung der Kunden zu Apple mit allem, was wir machen. Wir sprechen sie persönlich mit einer Produkteinführung an, motivieren zum Kauf und stärken die Beziehungen durch unseren individuellen Service.

Wir gehen mit großem Engagement auf unsere Kunden ein, präsentieren ihnen unsere Technologien und zeigen ihnen, wie unsere Produkte ihr Leben bereichern können.

Wir möchten unsere Kunden bei jedem Besuch inspirieren. Der Apple Store soll für sie ein Ort sein, den sie immer wieder gern besuchen, um einzukaufen, zu lernen, kreativ zu sein und Hilfe zu bekommen.

Unsere Stärke liegt darin, unseren Kunden zu zeigen, wie sie das Potenzial unserer Technologien und ihr eigenes kreatives Potenzial optimal ausschöpfen können.

Unsere tägliche Verpflichtung

Wir orientieren uns bei jedem Kundenkontakt an den Apple Serviceschritten.

Wir gehen auf unsere Kunden zu und machen es ihnen leicht, unsere Produkte einfach auszuprobieren und ihre Verwendung kennen zu lernen.

Wir kennen uns bestens mit den neuesten Apple Technologien aus und integrieren sie, wo immer wir können.

Wir gewinnen das Vertrauen unserer Kunden, indem wir Lösungen empfehlen, die zu ihrem Leben, ihren Schulen und ihren Unternehmen passen.

Wir übertreffen die Erwartungen unserer Kunden, indem wir alle Termine für die Genius Bar, Persönliche Trainings, Einkaufsberatungen und Workshops termingerecht, persönlich und schnell abwickeln.

Wir sehen unser One to One Programm als Strategie, um Mitgliedern zu helfen, ihren Computer zu konfigurieren, sich mit seinen Möglichkeiten vertraut zu machen und ihn erfolgreich zu nutzen.

Wir sorgen für eine enge Kundenbindung durch vielseitige Programme für alle Kunden, z. B. mit speziellen Events, interaktiven Workshops und maßgeschneiderten Programmen für Kinder und Jugendliche, Pädagogen, Unternehmer und neue Mac Käufer.

Wir setzen NetPromoter ein, um die Zufriedenheit von Mitarbeitern und Kunden zu überprüfen und festzustellen, in welchen Bereichen wir uns noch verbessern können.

Wir fördern den offenen Dialog zwischen unseren Mitarbeitern und unseren Kunden, um Anregungen zur Verbesserung unserer Apple Stores, unserer Prozesse und unserer Leistung zu erhalten.

Wir sehen jedes Kundenproblem als eine Chance, unser Können zu zeigen. Wir hören genau zu und reagieren umgehend auf jedes Feedback, indem wir persönlich die Initiative ergreifen, um Verbesserungen umzusetzen.

Wir achten besonders auf ansprechende, saubere und übersichtliche Verkaufsräume, die unsere hohen Standards an Optik und Design erfüllen.

Wir bringen unsere Wertschätzung gegenüber unseren Kollegen, Apple Inc., unseren Händlern, Vertriebspartnern und Drittanbieter-Partnern zum Ausdruck.

Wir halten die Apple Vertraulichkeits- und Markenrichtlinien strikt ein.

Smile!

Wenn Dich eine Kamera anblickt: dann lächle! Wenn Dich viele Kameras ins Blickfeld nehmen: dann lächle noch viel mehr! Wenn Du in einem Apple Store arbeitest und Du Dir ein Leben ohne allgegenwärtige Kameras gar nicht mehr vorstellen kannst: dann wirst Du wohl ein glücklicher Mensch sein, denn das Lächeln wird Dein Gesicht gefrieren lassen als seist Du Batmans alter Kumpan Joker!

Kameras findet man bei Apple Retail allüberall, nicht nur im Verkaufsraum, auch im Office und im Lager, überall: im ganzen Laden inklusive des backstage-Bereichs. Für viele meiner Kollegen ist dies keinesfalls ein Problem, sie sind von anderen Arbeitgebern her bereits gewöhnt, dass man sie ständig überwacht – überall, außer auf der Toilette, wenigstens das. So wird die Videoüberwachung und die hiermit einhergehende ständige Verdachtsunterstellung immer wieder in den Teams der Apple Stores diskutiert, manche haben damit keine Probleme, manche empfinden die vielen Kameras als bewusste Methode der Unterdrückung der Angestellten.

Das Management reagiert hierauf immer in der immer gleichen Weise: es ginge darum, die Mitarbeiter zu schützen, dass sie nicht in Verdacht gerieten, Fehler gemacht oder gar etwas geklaut zu haben. Der Tenor der Botschaften des Managements kann so zusammengefasst werden: wer nichts falsch macht, macht sich nicht verdächtig – wer sollte also etwas gegen die ständige Videoüberwachung sagen wollen? Dieses Argument ist das des Polizeistaats: wenn du nichts falsch machst, dann gibt es nichts gegen eine allgegenwärtige Kontrolle zu sagen.

Bei Apple wird selbst der nimmer endende Verdacht gegenüber allen Angestellten zu etwas Positivem, es gehe ja nur um den Schutz derjenigen, die in einem Apple Store arbeiten. Denn was bisher noch nicht erwähnt wurde: die Kameras sind keinesfalls auf die Ware gerichtet, für die sie ja eigentlich installiert sein sollten, dass die eine oder andere Ware nicht unbezahlt den Laden verlässt. Die Kameras sind alle auf die Apple Store-Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze gerichtet, sie werden tatsächlich zur Überwachung der Menschen und nicht zur Sicherung der Ware genutzt. Selbst wenn dem einen oder anderen Kollegen dies immer noch nichts ausmachen würde, es geht auch um die Einhaltung von Gesetzen, von deutschen Gesetzen, und an deren Umsetzung hat Apple als seine Hoheit von Apple Country so gut wie kein Interesse. Die Willkürherrschaft des Managements an allen Ecken und Enden des Apple Stores nimmt nirgendwo ein Ende, etwaige gesetzliche Vorgaben sind dabei offensichtlich egal.

Jetzt ist die Überwachung der Mitarbeiter durch Kameras bislang vor allem moralisch zu verwerfen (an überarbeiteten Gesetzen wird ja derzeit gearbeitet), doch wurde in München und in Hamburg, womöglich in noch mehr Stores, bereits live überwacht, wurde hinterher telefoniert, was der und die gerade tue, wo die oder der gerade stecke, wurde mit den Kameras kontrolliert, ob Kollegen auch in korrekter Form gekleidet seien. Und dies ist illegal.

Interessiert aber eigentlich niemanden, denn würde man diese Illegalität ansprechen, bekäme man derartige Probleme mit dem Management, dass man diese lieber nicht nicht erleben möchte. Denn dann wird man in einen Raum, zumeist mit zwei Managern, gesetzt und darf sich anhören, wie böse man sei, dass man ja wohl vom Apple-Glauben abgefallen sei, ja, es wird auch gerne laut bei diesen Veranstaltungen – echter massiver psychologischer Druck.

Immer wieder konnte ich, meist zufällig, Einblick in Kameraaufzeichnungen bekommen, zumeist, wenn etwas schief gelaufen war und dann im Nachhinein geschaut werden sollte, wie es zu den misslichen Umständen kam, wer hierfür verantwortlich war. Mit großer Überraschung musste ich eben jene Ausrichtung der Kameras feststellen, die sich für ihr angebliches Ziel, die Ware, nicht interessierten. So konnte zum Beispiel der Dieb, der sich eine Zeit lang im backstage-Bereich umhertrieb, also einer der Kollegen sein musste, nie gefunden werden, da sein Treiben auf den Kameras nicht zu sehen war. Ebenso konnten viele andere Dinge nie aufgeklärt werden, da die Kameras niemals den erhofften Ausschnitt zeigten. Wozu dann also die ganzen Kameras, wenn sie im tatsächlichen Notfall nichts bringen?

Muss es denn vor den Toiletten Kameras geben, offensichtlich um zu überwachen, wer da rein und raus geht? Warum legt niemand wirklich Vertrauen in Apple, dass die Kamera im Pausenraum, wie dies sein muss, ausgeschaltet ist? Warum werden Kameras an Orten, an denen sie nicht sein dürften, nicht einfach abmontiert? – Das Misstrauen, das mir als Apple-Mitarbeiter unter anderem mit dieser totalen Kamera-Kontrolle stets entgegengebracht wird, warum sollte ich dieses Misstrauen nicht auch gegenüber meinem Arbeitgeber hegen? Und eben nicht darauf Vertrauen, dass die Aussagen des Managements schon stimmen werden und diese Kameras tatsächlich ausgeschaltet sind?

In England sitzt die Sicherheitszentrale für die europäischen Apple Stores, hier laufen die Bilder der über das Internet als Webstream übertragenen Überwachungskameras zusammen. Mir ist bis heute nicht klar, weshalb es nicht ausreichend ist, dass das Management eines Apple Stores vor Ort die Kameras sichten kann, darüber hinaus aus England auf die Kameras zugegriffen werden soll. Aber sei es drum. Viel mehr hege ich den Verdacht, dass die deutschen Gesetze von den Engländern auf jeden Fall nicht eingehalten werden und ständig auf die live-Streams zugegriffen wird. Zumindest in Hamburg soll dieses illegale Vorgehen bereits geschehen sein.

Eine weitere Illegalität haben mir Kollegen berichtet, die ebenfalls bereits mit Videoaufnahmen zu tun hatten: offensichtlich wird auch Ton über die Kameras übertragen, in Deutschland ebenfalls illegal. Dies käme dann einer endgültigen Bespitzelung der Apple Store-Mitarbeiter wie der Kunden gleich. Ich hoffe nur, dass dem nicht so ist…

Auch an dieser Stelle werde ich es wiederholen: das Management baut auf Kontrolle und die Erzeugung von Angst. Und obwohl es inzwischen mehrere Betriebsräte in Deutschland gibt, die als Regulativ dienen müssten, wird der Ton und die Umgangsweisen bei Apple Retail in den letzten Wochen und Monaten noch rauer als dies zuvor bereits der Fall war. Offensichtlich ist das Management dazu angehalten, noch mehr Umsatz aus den Angestellten rauszupressen, mit immer härteren Bandagen, anstatt es einmal mit Freundlichkeit und Entgegenkommen zu versuchen, die Untergebenen zu motivieren.

Es stimmt wirklich: bei Apple lernt man viele Freunde kennen. Aber das ist auch kein Wunder angesichts der Schicksalsgemeinschaft, die sich dort wider Willen bildet und die die Leute zusammenrücken lässt. Jedenfalls ist Apple heutzutage näher daran, Big Brother zu sein als irgendeine andere Firma. Im Jahr 1984 hatte man sich in einem Werbespot noch davon abgegrenzt, heute wirkt dies unfreiwillig komisch:



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